Lalique, mehr als nur ein Name
Der Name Lalique verleitet zum Träumen. Er erinnert an den Glanz von Schmuckstücken, den Zauber der Transparenz, die Strahlkraft des Kristallglases. Bevor er zu einer Marke wurde, war dies der Name eines Mannes und genialen Künstlers, René-Jules Lalique, sowie von Nachfahren, die seine schöpferische Begeisterung teilten.
René Lalique, ein außergewöhnlicher Künstler und begabter Industrieller
Ein einziger Künstler, und einer der größten, René Lalique, besaß die Gabe, die Welt vor neuer Schönheit erschauern zu lassen... Henri Clouzot
René Lalique, der 1860 geboren wurde und im Jahr 1945 verstarb, lebte zwei aufeinander folgende Künstlerleben, in deren Verlauf er sich stets in den Kreis der herausragenden Protagonisten erhob, welche durch ihre Persönlichkeit die Epoche des Jugendstils und danach des Art Déco mit diametral entgegengesetzten Stilen prägten.
Der Erfinder des modernen Schmucks
René Lalique schöpfte seine Eingebung in der Natur, und da er die Kühnheit besaß, den weiblichen Körper als Zierelement zu verwenden, schuf er Schmuckstücke, welche zu den repräsentativsten des Jugendstils gehören. Seine Anhänger, seine Broschen, seine Halsketten, seine Diademe, sein Lorgnetten, seine Kämme… sind originelle und einfallsreiche Werke, welche mit Hilfe der ausgefeiltesten Techniken ausgeführt wurden. Er zögerte nicht, bis dahin kaum verwendete und wenig beachtete Werkstoffe, wie Horn, Elfenbein, Halbedelsteine, Emaille und selbstverständlich Glas einzusetzen, welches er mit Gold und Edelsteinen paarte. In seinen Augen ist es besser, man sucht nach dem Schönen, als die Pracht zur Schau zu stellen... Der Geist lässt die Materie hinter sich.
Seine avantgardistischen Schmuckstücke gefielen zunächst hauptsächlich einer von den Konventionen weit entfernten intellektuellen und künstlerischen Elite, welche in der Lage war, die Schönheit eines Gegenstands trotz der verwendeten relativ ärmlichen Werkstoffe zu würdigen. Zu seinen berühmtesten Kunden gehörten die Schauspielerin Sarah Bernhardt und der Erdölmagnat Calouste Gulbenkian. René Lalique, den Emile Gallé als Erfinder des modernen Schmucks präsentierte, erlebte schließlich einen unvergleichlichen Triumph anlässlich der Weltausstellung im Jahr 1900. Wer von Erfolg spricht, meint jedoch ebenfalls Nachahmungsversuche. Lalique fühlte sich hierdurch keineswegs geschmeichelt. Als Erfinder, der sich niemandem anschließen wollte, hasste er es, wenn andere sich ihm anschlossen. Der Plagiate überdrüssig, wandte er sich allmählich anderen Horizonten zu. Der Werkstoff Glas zog ihn bereits seit einiger Zeit an. Eine neue Karriere zeichnete sich ab...
Dichter des Glases
Seine ersten Experimente lassen sich zwar auf die 1890er Jahre zurückverfolgen, jedoch sollte seine Begegnung mit dem Parfümhersteller François Coty im Jahr 1908 eine maßgebliche Rolle spielen, da sie ihn nicht nur dazu bewegte, Parfümflakons für die größten Parfümhersteller zu entwerfen, sondern auch zu produzieren. Hinzukamen nach und nach Dosen, Vasen, Leuchten... Als anspruchsvoller Schöpfer zeichnete er ebenfalls Kühlerschrauben für die luxuriösen Automobile der wilden Zwanziger Jahre, die Dekoration von Zügen, wie dem Orient-Express, von Ozeandampfern, darunter der Normandie, und von Ladengeschäften… Er interessierte sich ebenfalls für die Kirchenbaukunst und führte außergewöhnliche Brunnen aus...
Die Gründung der Verrerie d’Alsace : Lalique lässt sich in Wingen-sur-Moder nieder
Da er die außerordentlichen Entwicklungsmöglichkeiten erahnte, welche ihm die Produktion von Parfümflakons bot, beschloss René Lalique bereits 1909, die Glasfabrik in Combs-la-Ville im Großraum Paris zu pachten. Es gelang ihr jedoch schon bald nicht mehr, auf die Nachfrage alleine einzugehen. Deshalb beschloss René Lalique nach dem ersten Weltkrieg, sich in den nördlichen Vogesen niederzulassen und Nutzen aus den Fördermaßnahmen der Regierung zu ziehen, die versuchte, das wiedererlangte Elsass und Departement Moselle zu Schaufenstern Frankreichs zu machen. Nachdem er bei den Manufakturen in Meisenthal und Saint-Louis vergeblich angefragt hatte, beschloss er schließlich, seine neue Glasfabrik in Wingen-sur-Moder zu errichten: die Verrerie d’Alsace.
Die Einrichtung dieser Glasfabrik kennzeichnet eine neue Etappe auf dem Weg zur Rationalisierung und zum Übergang auf die Struktur einer richtiggehenden Fabrik des 20. Jahrhunderts. Als Humanist baute Lalique die Serienproduktion in seinen Werken aus, um die Kosten zu begrenzen und möglichst vielen die Möglichkeit zu geben, Zugang zu seinen Kreationen zu erhalten: Das Volk ist das Reservoir der Kunst der Zukunft; man muss es einweihen, anstatt mit Scheußlichkeiten vollzustopfen, die es fehlleiten. Modelle, welche sein Auge erziehen, müssen ihm zugänglich gemacht werden, der Begriff Ästhetik muss allgemeinverständlich dargestellt werden. Kunstgegenstände sind zu teuer. Lasst uns dies ändern!
Suzanne Lalique (1892-1989)
Suzanne Lalique, die Tochter von René Lalique und Alice Ledru – welche wiederum Tochter des Bildhauers Auguste Ledru, eines Freundes von Rodin war – wurde von ihrem Vater aufgrund ihrer Kreativität und ihres Urteilsvermögens regelmäßig zu Rate gezogen. Sie schuf für ihn ab den 1910er Jahren Puderdosen und Bonbonnieren sowie später Vasen und andere Ziergegenstände. Sie lernte durch ihre Ehe mit Paul Burty Haviland eine andere Künstlerfamilie kennen und sah sich der Welt des Porzellans gegenübergestellt. Als Tausendsassa ging sie ihrer Begabung ebenfalls in den Bereichen Malerei und Textilkunst nach.
Schon von Kindesbeinen an knüpfte sie freundschaftliche Beziehungen zu mehreren berühmten Schriftstellern, darunter Paul Morand und Jean Giraudoux. 1937 wurde sie mit dem Entwurf der Kulisse des Stücks Chacun sa vérité (Jedem seine Wahrheit) von Luigi Pirandello in der Comédie-Française betraut. Dies war der Beginn einer langen Karriere in dem berühmten Haus, in deren Verlauf Suzanne Lalique Haviland bis Anfang der 1970er Jahre zum Entwurf der Kulissen und Kostüme von nahezu 50 Theaterstücken beitrug.
Marc Lalique (1900-1977)
Marc wurde im Jahr 1900 als Sohn von René Lalique und Alice Ledru geboren. Nachdem er die Vorlesungen an der Ecole des Arts décoratifs in Paris besucht hatte, war er ab 1922 als Mitarbeiter seines Vaters tätig. Er trat nach dessen Tod an die Spitze des Familienunternehmens. Er nutzte seine Qualitäten als Techniker, um die Manufaktur in Wingen-sur-Moder zu renovieren und zu modernisieren. Er verzichtete endgültig auf das Glas zugunsten des Kristalls, da der Kontrast zwischen Transparenz und seidiger Mattheit in der Reinheit dieses Materials vollendet zum Ausdruck gelangt. Dieser besondere Effekt wurde weltweit berühmt, so dass der Name Lalique oftmals mit ihm gleichgesetzt wird. Die Kristallfabrik Lalique errang unter seinem Anstoß rasch einen Platz unter den großen französischen und ausländischen Kristallfabriken.
Il abandonne définitivement le verre au profit du cristal. Le contraste entre transparence et satiné trouvant son expression maximale dans la pureté de cette matière, cet effet particulier va devenir célèbre dans le monde entier au point que le nom de Lalique y est souvent assimilé. Sous son impulsion, la cristallerie Lalique prend rapidement sa place parmi les grandes cristalleries françaises et étrangères.

Marie-Claude Lalique (1935 - 2003)
Marcs leidenschaftliche Begeisterung für sein Fach sollte die Jugend seiner Tochter prägen. Denn Marie-Claude hatte schon sehr früh das Glück, die Ergriffenheit des Schöpfers zu erleben, dessen Werk dank der Geschicklichkeit des Glasmachermeisters unter seinen Augen Gestalt annimmt. Wenn sie auch die Weiterführung des Werks ihres Großvaters und ihres Vaters als Hauptziel verfolgte, so war sie sich dennoch bewusst, dass die Wahrung des Geistes ebenfalls bedeutet, neue Wege einzuschlagen. Marie-Claude, welche auf die kreativen Tendenzen und Strömungen ihrer Zeit aufmerksam achtete, strebte eine Verbindung von Tradition und neuer Blüte an.
